Deutsches Museum: Ein Blick hinter die Kulissen
Seit über zwei Jahren begleitet die KB die Betoninstandsetzung des Deutschen Museums München, eines der weltweit größten und bedeutendsten Museen für Naturwissenschaft und Technik.
In der Folge des Dlubal Podcasts vom 16. Oktober 2025 spricht Host Daniel Dlubal mit Stephanie Riedler über ein Thema, das täglich Millionen betrifft: Deutschlands Infrastruktur.
Stephanie Riedler ist seit 2013 im Bereich Infrastruktur tätig und seit 2022 Geschäftsführerin der KB Augsburg GmbH. Im Gespräch erzählt sie, wie ihre familiäre Prägung sie früh zum Bauwesen geführt hat. Schon als Kind war ihr klar: Sie will Bauingenieurin werden. Diese Entscheidung hat sie nie bereut.
Wie so oft im Bauwesen gibt es für Bauingenieurinnen und -ingenieure verschiedene Wege: Manche entscheiden sich für die Tragwerksplanung, andere zieht es direkt auf die Baustelle in die Bauleitung. Stefanie Riedler hat sich für die Planung von Verkehrsprojekten entschieden – und das aus voller Überzeugung.
„Ich plane einfach total gern“, sagt sie im Podcast. Organisation, Strategieentwicklung und das Zusammenbringen von Menschen liegen ihr nicht nur beruflich, sondern auch privat. Diese persönliche Veranlagung hat sie früh in die Richtung der Straßenplanung geführt. Dabei war ihr von Anfang an wichtig, dass ihre Arbeit nicht nur theoretisch bleibt. Denn gute Planung muss sich auch in der Praxis bewähren. Aus diesem Grund hat sie sich nie vollständig vom Baustellenalltag entfernt. Immer wieder hat sie bewusst den Schritt hinaus auf die Baustelle gemacht – sei es in der Bauüberwachung oder Bauoberleitung – um zu sehen, ob das, was auf dem Papier entsteht, auch draußen funktioniert.
Mit rund 13.210 Kilometern Autobahn verfügt Deutschland über ein beeindruckend dichtes Verkehrsnetz. Doch wer regelmäßig unterwegs ist, kennt das Bild: Baustellen, wohin man blickt – und ein großer Teil davon sind sogenannte Dauerbaustellen. Projekte, die sich über Monate oder gar Jahre hinziehen und bei denen sich scheinbar nichts bewegt.
Im Gespräch mit Stephanie Riedler wird schnell klar: Die Gründe dafür sind vielfältig – und oft komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Die Herausforderung beginnt bereits bei der Aufrechterhaltung des Verkehrsflusses. Autobahnen können selten komplett gesperrt werden, da sie essenziell für den täglichen Waren- und Personenverkehr sind. Das bedeutet: Arbeiten unter eingeschränkten Bedingungen, mit kleinen Baufeldern und begrenztem Platz für Geräte und Material. Hinzu kommen technische und physikalische Faktoren. Beton braucht Zeit zum Aushärten, Asphalt muss unter bestimmten Bedingungen eingebaut werden, und im Tiefbau sind Baugrundverbesserungen oft langwierig.
Auch Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen spielen eine große Rolle bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten. Selbst wenn der Bau technisch möglich wäre, dürfen die Arbeiten nicht rund um die Uhr stattfinden – aus Rücksicht auf die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten. Zudem müssen vor Baubeginn oft umfangreiche Maßnahmen zum Schutz von Tieren und Pflanzen umgesetzt werden. Immer wieder ist in den Medien von geschützten Arten die Rede, die Bauprojekte verzögern oder sogar verlagern können. Stephanie Riedler kennt diese Herausforderungen aus ihrer täglichen Praxis: „Gerade in der Planungsphase sind Umweltaspekte ein zentraler Bestandteil des Genehmigungsverfahrens. Wir versuchen, Beeinträchtigungen frühzeitig zu erfassen und planbar zu machen – damit es später keine bösen Überraschungen auf der Baustelle gibt.“
Großprojekte wie BER oder Stuttgart 21 zeigen eindrucksvoll, wie komplex Infrastrukturvorhaben sein können – und wie häufig sie aus dem Zeit- und Kostenrahmen geraten. Stephanie Riedler sieht darin ein internationales Phänomen und plädiert für ein Umdenken: Statt klassischer Projektstrukturen setzt sie auf die integrierte Projektabwicklung, bei der Planer, Bauherr und Ausführende von Beginn an gemeinsam agieren. Diese frühzeitige Einbindung aller Beteiligten schaffe Raum für kreative Lösungen, verbessere die Kommunikation und reduziere Reibungsverluste. Eng getaktete Bauzeiten und ein starkes Projektteam mit klaren Zielen seien, so Riedler, entscheidend, um das „offene Fenster“ für unvorhergesehene Ereignisse zu schließen. Ihr Appell: „Wir gestalten unsere Umwelt für Jahrzehnte – und das sollten wir mit Weitsicht, Verantwortung und einem starken Miteinander tun.“
Als Geschäftsführerin der KB Augsburg GmbH steht Stephanie Riedler vor strategischen und personellen Herausforderungen, aber auch Chancen. Besonders prägend war ihre Rückkehr aus der Babypause: „Das Team hat großartig agiert – das hat meine Sicht auf Führung verändert.“ Mit Roland Kindelbacher als zweitem Geschäftsführer hat sich die Struktur weiterentwickelt: Riedler verantwortet die Verkehrsanlagenplanung, Kindelbacher das Baumanagement – gemeinsam treiben sie Akquise, Kundenkommunikation und Kooperationen voran. Ein Fokus liegt auf Zukunftstechnologien wie BIM und Künstlicher Intelligenz. Beide bieten große Potenziale, etwa bei der Modellauswertung, im Berichtswesen oder beim Onboarding. Riedler sieht darin Werkzeuge, um Prozesse intelligenter und effizienter zu gestalten.
Stephanie Riedler zeigt als Geschäftsführerin und erfahrene Planerin, wie vielseitig und gesellschaftlich relevant der Beruf des Bauingenieurs/ der Bauingenieurin ist. Sie möchte besonders junge Menschen ermutigen, sich mit dem Beruf auseinanderzusetzen: „Es braucht nicht nur technisches Know-how, sondern auch Empathie und Kommunikationsstärke.“
Zum Abschluss des Gesprächs verrät Stephanie ihr persönliches Lieblingsbauwerk – und bleibt dabei ihrer Leidenschaft treu: „Natürlich muss ich als Straßenplanerin eine Straße nennen.“ Es handelt sich um die Route des Crêtes an der französischen Côte d’Azur bei Cassis. Diese spektakuläre Panoramastraße schlängelt sich durch die Calanques, einen Küstengebirgszug, und bietet atemberaubende Ausblicke auf das Meer und die Felsenlandschaft: „Wenn man dort im Sonnenuntergang entlangfährt, mit dem Meer auf der einen und den Bergen auf der anderen Seite – das ist einfach ein ganz besonderes Urlaubserlebnis“, schwärmt sie. Ein Ort, der zeigt, wie eindrucksvoll und emotional Infrastruktur sein kann – und wie sehr sie unser Leben bereichert.
Die ganze Folge mit Stephanie Riedler gibt es hier: